Softwareunternehmer und Analyst

Trauer um Frank Sempert

Im deutschen Softwaremarkt gehörte er zu den markantesten und erfolgreichsten Persönlichkeiten, als Analyst hatte er eine mindestens ebenso große Wirkung: Frank Sempert ist am 19. Februar 2017 plötzlich und unerwartet gestorben.

Es gibt nicht viele Töpfe im deutschen ITK-Markt, in denen Frank Sempert nicht gerührt hat. Zuletzt war er Senior Program Executive Europe bei der Saugatuck Technology Inc., einer in Westport, Connecticut, ansässigen Analystenfirma, die sich mit allen Facetten des Cloud Computing beschäftigt und 2015 von der ISG übernommen wurde. Die COMPUTERWOCHE hatte Sempert nicht zuletzt wegen seiner Kompetenz als Analyst und Marktforscher in die Jury des Wettbewerbs „Best in Cloud“ berufen, wo er entscheidend dazu beitrug, dass ein Projekt-Wettbewerb auf höchstem Niveau entstand.

Für Sempert war das Analystenhandwerk keineswegs neu als er bei Saugatuck einstieg. Als Managing Director für Central Europe hatte er die deutsche Gartner-Filiale aufgebaut und die DACH-Organisation für mehr als fünf Jahre geleitet. Toppositionen im IT-Markt bekleidete Sempert auch für Olivetti, Wang, Ericsson, Teamco und den Datenbankhersteller Informix, der heute zu IBM gehört. Sempert baute dort ebenfalls das Geschäft für die Region Zentraleuropa auf.

Jahr-2000-Umstellung und Euro waren Semperts große Themen

Nach seinem Engagement für Gartner wurde Sempert auch als selbständiger Unternehmer aktiv und gründete die SEC Consulting AG mit Sitz in Frankfurt am Main, die sich auf komplexe Umstellungsprojekte rund um Y2K- und Euro-Projekte spezialisierte. Später engagierte sich die SEC dann im Projekt-Management rund um die Post-Merger-Integration (PMI).

Frank Sempert hatte auch viele öffentliche Ämter inne. Er war vorsitzender Berater der Bundesregierung in Y2K-Ausschuss sowie Mitglied der G8 IT Group. Ab 2000 leitete er das „Forum Euro“, eine Initiative zur Einführung des Euros bei den Top-20-Unternehmen in Deutschland.

Als dreifacher Buchautor („Die Jahr-2000-Krise“, „ITK-Kompendium 2010“, „Informationsmanagement“) und Verfasser zahlreicher Beiträge – auch für die COMPUTERWOCHE – war Sempert ebenso bekannt wie als gefragter Keynote-Speaker auf Veranstaltungen. In den vergangenen Jahren beriet er CEOs/CIOs von Großunternehmen und mittelständischen Unternehmen in strategischen IT-Angelegenheiten und nutzte dabei immer wieder seine ausgeprägten Kontakte in Politik und Wirtschaft.

So war Sempert Mitglied der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham), im Wirtschaftsrat Deutschland, im Diplomatic Council („The Global Think Tank“) und im Plönzke Culture Club. Wir werden ihn aber vor allem als Jurymitglied in unserem Wettbewerb Best in Cloud in bester Erinnerung halten. Sempert verband dort Sachverstand, Humor und Einfühlungsvermögen für die meist jungen Unternehmer, die ihre Projekte in den Wettbewerb einbrachten.

Heinrich Vaske (Chefredakteur Computerwoche)